„Walheimat“: Echte Schutzgebiete für den Schweinswal

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Er ist der einzige heimische Wal an Deutschlands Küsten, wird etwa 1,60 Meter lang und ähnelt einem Delfin: der Gewöhnliche Schweinswal. Die gemeinnützige Organisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) kämpft für die Rettung des kleinen Tümmlers, denn der hat große Probleme. Vor allem durch die Fischerei: „Speziell die kilometerlangen Stellnetze der Ostseefischer sind tödliche Fallen für die Tiere, da sie bodennah nach Nahrung suchen. Sie können die feinen Maschen nicht orten, verfangen sich und ersticken“, erklärt Fabian Ritter von WDC. „Da Schweinswale per Echoortung navigieren und jagen, leiden sie auch unter Lärm im Meer: Lauter Schiffsverkehr, der Bau von Offshore-Windparks, Militärübungen und seismische Tests zur Öl- und Gassuche können sie orientierungslos machen oder ihr Gehör derart schädigen, dass sie verhungern oder stranden“, erklärt der Biologe. Auch Plastikmüll und Gifte aus Industrie und Landwirtschaft setzen dem Meeressäuger zu. Die Population in der zentralen Ostsee ist akut vom Aussterben bedroht.

Lobbyarbeit für den bedrohten Wal

Der Schweinswal braucht dringend eine starke Lobby. Mit der Kampagne „Walheimat“ will WDC den Druck auf die Politik erhöhen, längst überfällige Schutzmaßnahmen in Nord- und Ostsee zu ergreifen. Die Umweltstiftung Greenpeace hat die Kampagne 2017 mit 5.315 Euro unterstützt. Im Sommer startete die Organisation eine bundesweite Vortragsreihe und führte einen mehrtägigen Workshop für Journalistinnen und Bloggerinnen durch. In zahlreichen Artikeln, Video- und Radiobeitragen wurde anschließend über die Probleme des Meeressäugers und die Versäumnisse der Politik berichtet. Denn selbst in Schutzgebieten findet der international streng geschützte Wal keine Ruhe:

Schutzgebiete, die ihren Namen verdienen

Im September gab die Bundesregierung den sechs „Natura 2000“-Gebieten in deutschen Gewässern, darunter dem Sylter Außenriff und dem Fehmarnbelt, zwar endlich den rechtlichen Status von Naturschutzgebieten. Doch die hierzu vorgelegten Verordnungen sind völlig ungenügend. Nur wenige menschliche Aktivitäten, darunter etwa das Einbringen von Baggergut, sind untersagt. Windparks, ja sogar der Abbau von Rohstoffen können nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung weiterhin genehmigt werden. Besonders gravierend: Die Berufsfischerei ist weiterhin erlaubt, da der nötige EU-Prozess – auch wegen unzureichender Bemühungen der Bundesregierung – feststeckt. WDC, Greenpeace und andere Umweltverbände fordern, dass mindestens 50 Prozent der Schutzgebietsflächen gänzlich frei von menschlicher Nutzung sind und dass dort jegliche schädliche Aktivitäten wie zum Beispiel die Fischerei mit Grundschleppnetzen und Stellnetzen verboten werden. 

de.whales.org

Foto © Solvin Zankl