Auf sonnigen Pfaden: "Scouts go Solar"

E

Schon kleine Photovoltaik-Module bringen eine LEDLampe zum Leuchten, lassen das Radio spielen, laden Akkus für den PC oder versorgen einen Kühlschrank mit Strom. Unter den Erneuerbaren besitzt die Kraft der Sonne den Vorteil, dass sie schon mit relativ einfachen Mitteln genutzt werden kann. In entlegenen Regionen der Welt, die nicht an ein Energieversorgungsnetz angeschlossen sind, verbessert Solartechnik das Leben der Menschen deutlich. Und überall auf der Welt verringert jede genutzte Sonnenstunde den Einsatz klimaschädlicher fossiler Energien.

Weltweite "Solarisierung" der Pfadfinder

Der Schweizer Greenpeace-Ableger Solafrica fördert die Nutzung der Solarenergie in Afrika und rund um den Globus. 2016 übernahm die Non-Profit-Organisation die Koordination für ein 2012 von Greenpeace Schweiz initiiertes Projekt: „Scouts go Solar“. PfadfinderleiterInnen aus aller Welt werden im schweizerischen Kandersteg International Scout Center in zweiwöchigen Trainings zu „Solarbotschaftern“ ausgebildet. Ausgestattet mit einem Handbuch und Equipment zum Basteln und Experimentieren, geben sie zurück im Heimatland Workshops für ihre Gruppen. Sie sensibilisieren die Kinder und Jugendlichen für das Thema Klimaschutz und bringen ihnen die Möglichkeiten der Solarenergie spielerisch nahe. Mit der World Organization of the Scout Movement (WOSM) haben Greenpeace und Solafrica einen idealen Partner gefunden: Der Umweltschutz stellt eine Grundsäule der Pfadfinderbewegung dar, zudem zählt die Organisation rund 40 Millionen junge Mitglieder auf sechs Kontinenten – eine riesige Chance, um die „Solarisierung“ weltweit voranzubringen.

Learning by doing

Nach einer erfolgreichen Pilotphase in 2014/2015 mit Workshops in Manila (Philippinen) und Islamabad (Pakistan) wurde „Scouts go Solar“ offiziell in das WOSM-Umweltbildungsprogramm aufgenommen. Das Bildungskonzept setzt auf das bewährte Pfadfinderprinzip „Learning by doing“. „Das Basiswissen über Solarenergie vermitteln wir auch in Theoriestunden, aber praktische Arbeiten überwiegen: Zum Beispiel löten die Teilnehmer aus wenigen Bauteilen eine Solartaschenlampe zusammen, oder sie bereiten Essen in einem Solarkocher aus Parabolspiegeln zu“, erzählt Stefanie Luginbühl, Umweltingenieurin und Leiterin des Projekts bei Solafrica. „In Übungsworkshops mit Kindern verschiedener Altersklassen trainieren die angehenden Solarbotschafter ihre Didaktik und merken, wie viel Spaß alle bei der Sache haben – das motiviert natürlich“, so Luginbühl.

Zwei Patenschaften übernommen

Im Sommer 2016 wurden in Kandersteg 16 Frauen und Männer unter anderem aus Portugal, Taiwan, Costa Rica, Thailand, El Salvador, Uganda, Tadschikistan und Korea geschult. Die Umweltstiftung Greenpeace übernahm Patenschaften für zwei Teilnehmer. Mittlerweile sind schon 70 Botschafter weltweit aktiv, und binnen drei Jahren machten über 5.000 Kinder bei deren Workshops mit – allein etwa 2.000 bei einem Jamboree im Pfadfinderzentrum Meztitla in Mexiko. Dessen Leiter Abelardo Castillo ist sehr engagiert, da in Mexiko große Lücken in der (nachhaltigen) Energieversorgung bestehen. Aber auch in Ländern wie Dänemark mehren sich die „Sonnenanbeter“: Solarbotschafterin Rikke Madsen Lauridsen erklärte, auch im weniger sonnenverwöhnten Norden seien die Solarworkshops ein tolles Werkzeug, um Kinder für Erneuerbare Energien zu interessieren.

In Zukunft sollen „Scouts go Solar“-Trainings kostengünstiger auch in Pfadfinderzentren anderer Länder wie Mexiko, Tschechien und Pakistan stattfinden. Eine internationale Koordinierungsstelle in Islamabad begleitet alle Solarbotschafter bei ihren späteren Aktivitäten und sorgt für Erfahrungsaustausch und Vernetzung untereinander. „Für mich als Projektleiterin ist es extrem spannend zu sehen, wie die Solarbotschafter das Gelernte zuhause umsetzen und in ihre lokalen Gegebenheiten integrieren“, sagt Stefanie Luginbühl. „Dass sie selbstständig so viel Initiative zeigen, beweist, dass das Projekt das gewünschte Ziel erreicht.“

www.solafrica.ch/scouts-go-solar/