EcoAndina: die Kraft der Sonne nutzen

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Die Stiftung fördert Solardörfer im argentinischen Hochland.

Das Leben in den Dörfern der argentinischen Hochanden ist sehr einfach und von extremen Klimabedingungen geprägt. Im Winter schwanken die Temperaturen von tagsüber 15 Grad bis zu minus 20 Grad nachts. Abgesehen von einer kurzen Regenzeit herrscht das ganze Jahr über Trockenheit. Außer kleinen dürren Sträuchern wächst hier auf einer Höhe von 3500 Metern nur sehr wenig.

Und die karge Vegetation ist doppelt gefährdet. Zum einen betreiben die indianischen Bauern eine extensive Viehwirtschaft: Lamas und Schafe fressen, was sie an den Büschen finden. Außerdem verbrennen die Menschen das trockene Holz zum Kochen und Heizen – es ist fast immer die einzige Energiequelle. Die Folge: Die Region versteppt zunehmend, die Menschen, meistens sind es die Kinder, müssen immer weiter gehen, um Brennholz zu finden.

Solarkraft halbiert Brennholzbedarf

Diese verheerende Entwicklung zu stoppen, hat sich die von der Umweltstiftung Greenpeace unterstützte Stiftung EcoAndina, die mit dem deutschen Träger Solar Global e.V. zusammenarbeitet, zur Aufgabe gemacht. Sie nutzt die besonderen Bedingungen der Region – kaum sonst irgendwo auf der Welt ist die Sonneneinstrahlung so hoch wie hier – und finanziert den Bau robuster und effektiver Solaranlagen in der Provinz Jujuy nahe der bolivianischen Grenze.

Einfach zu reparierende Solarpaneele und Solarkocher versorgen mittlerweile etwa 800 Menschen in fünf Dörfern mit Energie. Der Brennholzbedarf ist dadurch bereits um die Hälfte gesunken – ein Gewinn nicht nur für die Menschen, sondern auch für das Klima. Eine weitere wichtige Errungenschaft sind die effizienten Solarpumpen, mit denen die trockenen Felder des Hochplateaus nun problemlos bewässert werden können.

Einfache solare Lufterwärmer beheizen außerdem Kindergärten und Schulen und verhindern dadurch, dass die Temperaturen dort nachts und am frühen Morgen auf den Gefrierpunkt absinken. Bislang  war die Beheizung von öffentlichen und privaten Gebäuden aufgrund des Brennstoffmangels völlig unmöglich. Deshalb sind in den Hochanden-Dörfern in harten Wintern sehr viele Kinder an Atemwegserkrankungen gestorben.
 

Wo die Solaranlage vor dem Haus zum Statussymbol wird

Die Umweltstiftung Greenpeace hat eine Lehrwerkstatt finanziert, in der die ortsansässigen Handwerker lernen, die Solarmodule selbst herzustellen und zu reparieren. In dem geförderten Projekt kommen nur besonders preiswerte und einfache Solartechniken zur Anwendung, sensible Hightech-Ersatzteile sind tabu. Dadurch ist sichergestellt, dass die Dorfbewohner anfallende Instandsetzungen selbst ausführen können.

Fast alle Anlagen, wie etwa die Gebäudeheizung mit Warmluftkollektoren, die Low-Cost-Warmwasseranlagen und die Solarkocher sind aufgrund der langjährigen Optimierung so robust ausgelegt, dass sie kaum ausfallen. Da zudem alle Materialen im Land erhältlich sind, ist die Instandhaltung auch langfristig gesichert. Außerdem werden seit neuestem auch Sonnenkollektoren für den lokalen Markt produziert, um künftig immer weniger auf Zuschüsse von außen angewiesen zu sein und dazu beizutragen, die Solartechnologie in Argentinien zu etablieren. Bislang sind bereits 70 sogenannte „Volkssonnenkollektoren“ hergestellt und für etwa 300 Euro pro Stück verkauft worden.

Für viele Menschen ist die Solaranlage vor dem Haus bereits zu einem Statussymbol geworden – das sich allerdings längst noch nicht alle leisten können. Die Stiftung EcoAndina kümmert sich deshalb auch um Kontakte zu Banken, um den Hochlandbewohnern mit Mikrokrediten eine Ratenfinanzierung zu ermöglichen. Qualitätsanalysen, die zusammen mit Ingenieuren der Universität in Jujuy durchgeführt werden, erhöhen darüber hinaus das kommerzielle Potenzial der Anlagen. Denn mit einem offiziellen Qualitätszertifikat können die in Jujuy produzierten Kollektoren an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen und in ganz Argentinien verkauft werden.

Die Umweltstiftung Greenpeace möchte auch künftig, mit Ihrer Unterstützung, erfolgreich Hilfe zur Selbsthilfe leisten und in klimafreundliche Projekte investieren. In Jujuy fehlt bislang beispielsweise noch ein professioneller Teststand für Kollektoren, mit dem die Anlagen auch nach international geltenden Normen (zum Beispiel nach DIN) geprüft werden können. Außerdem denkbar ist die Förderung ähnlicher Solarprojekte in anderen lateinamerikanischen Ländern und in Afrika.

www.ecoandina.org