Klimaschutz-Karawanen für die Energierevolution in Afrika

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Große Holzkonzerne dringen immer tiefer in den tropischen Regenwald des Kongobeckens ein. Sie zerstören einen einzigartigen Lebensraum und die Lebensgrundlage der Menschen und Tiere, die im und vom Wald leben. Die Klimaschutz-Karawanen sind ein Dorforganisationsprojekt von Greenpeace Schweiz, Greenpeace Afrika, lokalen Partnern und dem Schweizer Verein Solafrica.ch, das afrikanischen Dorfbewohnern Perspektiven aufzeigt und ihnen hilft, sich selbst zu helfen. Regenerative Energien und Maßnahmen zur Senkung des Holzverbrauchs spielen dabei eine zentrale Rolle.

2011 und 2012 konnten im Rahmen des Projekts in 15 Dörfern im südlichen und tropischen Teil Kameruns etwa 400 Solaranlagen installiert werden, die zum Beispiel Strom für Schulen oder Krankenstationen liefern. Zuvor waren in einer Klimaschutz-Testkarawane in 33 Dörfern im Norden Kameruns 2000 energiesparende Kochherde installiert worden. Diese aus Lehm und Stroh gebauten Thermoöfen sind so effizient, dass zwischen 60 und 70 Prozent weniger Brennholz benötigt wird und der gesundheitsschädliche Rauch in den Hütten erheblich abgenommen hat.

Eine Karawane, die bleibt

Nachhaltigkeit ist nicht nur in technischer Hinsicht oberstes Ziel: Verbesserungen sollen dauerhaft in den Dörfern verankert werden. Die Klimaschutz-Karawanen ziehen deshalb nicht einfach nur vorüber und bringen neue Technologien „made in Switzerland“. Ausgebildete Fachleute entwickeln mit den Dorfbewohnern zusammen, was die Gemeinschaft braucht und wie es sich am besten erreichen lässt.

Dafür haben zahlreiche kamerunische und kongolesische Männer und Frauen eine mehrjährige, zertifizierte und praxisnahe Ausbildung zu Dorforganisationsentwicklern erhalten. Die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Dorfbewohner stehen dabei im Vordergrund. Denn nur, was den Menschen nutzt und ihren Alltag erleichtert, behalten sie auf lange Sicht bei. Aus dieser Erkenntnis hat Guilherme dos Santos Barboza, Direktor des Forschungszentrums CABEBEC, in Brasilien seine psychosoziokulturelle Methodik entwickelt, die in den Klimaschutz-Karawanen zum Einsatz kommt.

Investitionen in eine sonnige Zukunft Afrikas

Neben der Stärkung der Dorfstrukturen geht es auch um die Vermittlung von technischem Know-how. Mehr und mehr junge Kameruner und Kongolesen lernen, wie sie mit Sonnenenergie Taschenlampen betreiben oder Trinkwasser aufbereiten können oder wie sie Solarpaneele am besten montieren.

Einige der frisch ausgebildeten Solarexperten haben sogar eine eigene kleine Firma gegründet, die selbstständig weiter Solaranlagen vertreibt und Partner der Karawane ist. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten zahlen die Dorfbewohner einen Teil der technischen Geräte selbst. Auch diese Form von Mikrokrediten sind Ausdruck der Klimaschutz-Karawanen-Philosophie, bei der die Dorfbewohner lernen, ihr Schicksal selbst in die Hände zu nehmen.

Allein gelassen werden die Menschen jedoch nicht: Jeden Monat besuchen drei Arbeitsteams die Dörfer. Die erste Gruppe unterstützt die Menschen im Umgang mit den neuen Geräten und Techniken. Das zweite Team kümmert sich um Gesundheitsbildung und das dritte arbeitet im Bereich der Dorfentwicklung und der Festigung der Gemeinschaftsstrukturen.

Die Botschaft kommt an: Gestärkte und selbstbewusste Dorfgemeinschaften gestalten selbst ihre Zukunft – mit einer ressourcenschonenden und nachhaltigen Waldnutzung und durch die Einführung von Solartechnologien. Nach den positiven Erfahrungen ist das Programm 2012/2013 nach Zentralkamerun ausgedehnt worden. Die Klimaschutz-Karawane hat dort inzwischen in 24 weiteren Dörfern Station gemacht und die Menschen zu Solar- und Dorfentwicklungsexperten ausgebildet. Und immer mehr Orte möchten Teil des Projekts werden. Deshalb sind die Initiatoren auch mit nationalen Politikern im Gespräch. Es besteht so die Chance, dass das Projekt in ganz Kamerun, in 30.000 Dörfern, umgesetzt wird.

Die Umweltstiftung Greenpeace unterstützt das Projekt, indem sie Teile der Kosten für Solarpaneele, Ausbildungsmaterialien und die Schulung der afrikanischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernimmt.

www.greenpeace.org/switzerland/de/Themen/solarenergie-global/