Kongo: Erforschung des größten Torfmoors der Erde

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In der zentralafrikanischen Republik Kongo entdeckten britische und einheimische Forscher 2014 eine Sensation: das wahrscheinlich größte tropische Torfmoor der Erde, verborgen unter Sumpf und dichtem Regenwald. Schätzungsweise 30 Milliarden Tonnen Kohlenstoff hat das Moor von der Größe Englands gespeichert. Umgewandelt in Kohlendioxid wäre das so viel, wie die USA in 20 Jahren ausstoßen. Nicht auszudenken, wenn diese Menge in die Atmosphäre gelangt! Das Torfmoor und der Wald müssen unbedingt geschützt werden. Doch für weitere Bodenproben in der abgelegenen Region fehlte den Wissenschaftlern das Geld. Es brauchte einen Unterstützer! Die Umweltstiftung Greenpeace ermöglicht nun mehrere Expeditionen, um das Moor weiter zu erforschen und seine Bedeutung für den Klimaschutz zu dokumentieren.

Die Bohrungen für Bodenproben sind extrem aufwändig

Professor Simon Lewis und Dr. Greta Dargie von der Universität Leeds vermuten, dass das Moor noch größer ist und sich bis in die benachbarte Demokratische Republik Kongo erstreckt. Um das nachzuweisen, wollen sie auch dort Satellitenaufnahmen des Gebiets mit Kernbohrungen im Boden kombinieren. Im Oktober startete die erste Erkundungs-Expedition. Gemeinsam mit ihrem kongolesischen Kollegen Professor Corneill Ewango fuhren die Forscher in die schwer zugänglichen Gebiete. Stundenlang wateten sie bis zur Hüfte durch den Sumpf, um an den berechneten Stellen einen breiten Bohrer per Hand metertief in den Torfboden zu drehen. „Es ist ein riesiger technischer Aufwand“, sagt Greenpeace-Waldexperte Jannes Stoppel, der die Expedition begleitet hat. Zum Glück half Greenpeace Afrika mit Logistik.

Das Wagnis hat sich gelohnt: Auch im Westen der Demokratischen Republik Kongo fand das Team bis zu 3,5 Meter tiefen Torf. Bei der zweiten Expedition Anfang 2018 wird nun eine Reliefkarte des Moores erstellt, um die Größe und en Kohlenstoffgehalt des Moores zu verifizieren. Dazu wird alle 50 bis 100 Meter eine Bohrung gesetzt, über eine Strecke von zwei bis drei Kilometern. Die Ergebnisse rechnen die Wissenschaftler dann für das ganze Moor hoch. Je mehr Daten sie haben, desto genauer wissen sie, welche Rolle das Moor für das weltweite Klima spielt. Die Forscher hoffen, dass sie mit den Ergebnissen auch gute Chancen haben, eine Anschlussfinanzierung im großen Stil bei klassischen Forschungsstellen zu bekommen. Diesen war das Projekt bisher zu unsicher.

Professor Ewango stammt selbst aus einem Dorf im Regenwald. Seit 30 Jahren versucht er, in seinem Land den Naturschutz voranzubringen. Im Bürgerkrieg hat er als Letzter im Okapi Wildlife Reservat ausgeharrt, um die Tiere und das wissenschaftliche Material vor Plünderern zu schützen. Die Unterstützung des Forschungsprojektes durch die Umweltstiftung Greenpeace stärkt dem Naturschützer im Kongo den Rücken.

Der Kongo kann das Torfmoor nicht allein schützen

Der Schutz des Torfmoores kann nur gemeinsam mit der Bevölkerung gelingen. Im Dorf Lokolama hat die indigene Bevölkerung das Forscherteam freundlich empfangen. Aber es gibt einen großen Bedarf an Entwicklung. Die Frauen wünschen sich einen Wasseranschluss für das Dorf und öffentliche Busse, um ihre Waren zum Markt zu bringen. Den Kindern fehlen Bücher und Hefte für die Schule. Naturschutz muss hier kombiniert werden mit Verbesserung der Lebensgrundlagen für die Menschen.

Eine große Aufgabe in der Demokratischen Republik Kongo, die im Osten auch von gewaltsamen Auseinandersetzungen erschüttert wird. Aber die Regierung unterstützt die wissenschaftliche Arbeit. Ein Vertreter des Umweltministeriums hat eine Pressereise im Oktober begleitet. Dabei wurde aber auch klar, dass das Land das Moor nicht allein schützen kann. Die internationale Gemeinschaft muss den Kongolesen Alternativen zur Abholzung ermöglichen. Das Torfmoor und der Kongo Urwald sind ein globaler Schatz der Menschheit – wir alle sind dafür verantwortlich, dass er erhalten bleibt. Die Expeditionen sind auf dem Weg zu diesem Ziel der erste wichtige Schritt.

http://blog.greenpeace.de/artikel/bis-zu-den-knien-im-torf

Foto © Daniel Beltrá