Mit High-Tech die Wale schützen: Orca-Forschung vor Vancouver Island

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Orcas sind gründlicher erforscht als jede andere Walart. Das ist vor allem einer Handvoll Wissenschaftlern zu verdanken, die in den 1970er Jahren an der Pazifikküste Kanadas neue Methoden der Walforschung entwickelten. Mike Bigg, Alexandra Morton und Paul Spong begannen damals, mithilfe von Unterwasser-Mikrofonen und der Fotoidentifikation einzelner Tiere Daten über die Wale in ihrem natürlichen Lebensraum zu sammeln. Zugleich protestierten sie gegen den Orca-Fang für die seit den 1960er Jahren populären Delfinarien. Der Ruf nach Freiheit für die Wale passte in die Zeit: Die Umgebung von Vancouver war eine Hippie-Hochburg, Greenpeace wurde dort gegründet. Walforscher Dr. Paul Spong rief 1975 die Anti-Walfang-Kampagne der Organisation ins Leben. Der Neurologe und Zoologe nahm die Wale als einer der ersten als intelligente Lebewesen wahr. Mit seiner Flöte kommunizierte der legendäre Forscher mit den Meeressäugern.

Das tut der inzwischen 75-Jährige zwar auch heute noch, doch inzwischen setzt er auch auf High-Tech. Von Vancouver Island aus, wo er seine Forschungsstation OrcaLab eingerichtet hat, schickt seine gemeinnützige „Pacific Orca Society“ seit einigen Jahren Live-Töne und -Bilder von den Orcas in die Welt. Ein Netzwerk von ferngesteuerten Hydrofonen nimmt über 50 Quadratkilometer hinweg den Sound der Wale auf, die sich mit einer Vielzahl von Rufen verständigen – und zwar in Dialekten, die sich umso stärker ähneln, je näher die Tiere verwandt sind. Besonders im Sommer und Herbst, wenn die Lachse kommen, herrscht vor Vancouver Island Hochbetrieb – die Lachse sind eine der Lieblingsspeisen der Orcas.

Daten für den Schutz der Orcas

Aufgrund von Spongs jahrelanger Grundlagenforschung weiß man heute viel über das Verhalten der Meeressäuger – wie sich die Gruppen zusammensetzen, wieviel Bewegungsfreiheit sie brauchen, wie heimatverbunden sie sind. „All diese Daten sind unverzichtbar, wenn es zum Beispiel darum geht, Schifffahrtsrouten zu verlegen oder Schutzgebiete einzurichten“, erklärt Greenpeace-Meeresexperte Thomas Henningsen.

Mithilfe der Finanzierung der Umweltstiftung Greenpeace wurden zuletzt ferngesteuerte Kameras installiert, um so die Beobachtung der Tiere zu perfektionieren. Außerdem bekam die Station 2013 eine neue Solaranlage, mit der Computer-, Video- und andere elektrische Systeme nun fast CO2-frei, ohne Dieselgeneratoren betrieben werden können.

Neben der Forschung ist ein wesentliches Ziel der Gesellschaft, die Erkenntnisse zu teilen – mit jungen Leuten, die das Projekt besuchen und mitarbeiten. Mit der Orca-Community, die auf Spongs Seite einen Blog eingerichtet hat und sich dort über Schutzmaßnahmen für Wale und Ozeane austauscht und mit Wale- Freunden auf der ganzen Welt.

http://www.orcalab.org

www.orca-live.net

www.orca-live.net/community