Mit High-Tech die Wale schützen: Orca-Forschung vor Vancouver Island

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Wer Wale schützen will, muss sie gut kennen. Wissenschaftler Dr. Paul Spong hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Orcas zu erforschen und Menschen in aller Welt für die Tiere zu begeistern. Seit 1972 betreibt er vor Vancouver Island das OrcaLab, das Schwertwale in freier Natur beobachtet, ohne sie zu stören.

Paul Spong und einer Handvoll anderer Wissenschaftler ist es zu verdanken, dass Orcas gründlicher erforscht sind als jede andere Walart. In den 1070er Jahren entwickelten die Forscher an der Pazifikküste Kanadas neue Methoden der Walforschung. Sie begannen damals, mithilfe von Unterwasser-Mikrofonen und der Fotoidentifikation Daten über die Tiere zu sammeln. Auch protestierten sie gegen den Fang von Orcas für Delfinarien. 1975 war Paul Spong daran beteiligt, die Wale-Kampagne von Greenpeace ins Leben zu rufen. Der Neurologe und Zoologe war einer der ersten, die Wale als intelligente Lebewesen wahrnahmen. Mit seiner Flöte kommunizierte der legendäre Forscher mit den Meeressäugern. Das tut der inzwischen 77-Jährige zwar heute noch, doch inzwischen setzt er auch auf High-Tech. Von seiner Forschungsstation aus schicken er und sein Team Live-Videos und -Töne in die Welt. Ein Netzwerk von sechs ferngesteuerten Hydrofonen nimmt über 50 Quadratkilometer hinweg den Sound der Wale auf.

Forschen, ohne die Orcas zu stören

2015 ging ein Traum von Spong in Erfüllung: Vancouver Island wurde an das Glasfaserinternet angeschlossen. In Kooperation mit der Multimedia-Organisation "explore.org" konnte das Kamerasystem erweitert und verbessert werden. Seit 2016 werden HD-Bilder von Orcas über zehn Kameras live gestreamt. Die Live-Bilder erlauben, Orcas Tag und Nacht unter Wasser und aus der Luft zu beobachten. Die Forscher gewinnen damit neue Einblicke in das Leben der Wale. OrcaLab stellt seine Ausstattung auch anderen Walforschern zur Verfügung und arbeitet mit weiteren Meeresschutz-Organisationen zusammen. Aufgrund von Spongs jahrelanger Grundlagenforschung weiß man heute viel über Orcas - wie sich die Gruppen zusammensetzen, wie viel Bewegungsfreiheit sie brauchen, welche Wirkungen menschliche Aktivitäten haben. All diese Daten sind unverzichtbar, wenn es darum geht, Schifffahrtsrouten zu verlegen oder Schutzgebiete einzurichten.

Wie viel dem Forscher die Schwertwale bedeuten, zeigt sich auch in seinem unermüdlichen Einsatz für Corky: Das Orca-Weibchen wurde 1969 vor Vancouver Island gefangen und fristet seitdem ein trauriges Dasein im Delfinarium. Spong fordert ihre Freilassung, denn er weiß, wie stark die Familienbande der Orcas sind und wie sehr sie unter der Isolation und der Enge des Delfinariums leiden.

Neben der Forschung ist ein wesentliches Ziel des OrcaLab, das Wissen über die Wale zu teilen - z.B. mit jungen Leuten, die das Projekt besuchen, und mit Wale-Freunden auf der ganzen Welt. Auf der OrcaLab-Homepage berichtet das Team regelmäßig über seine Aktivitäten und das Leben der Wale. Die Umweltstiftung unterstützt das Projekt seit 2010 und fördert damit Arbeit und Infrastruktur der Forschungsstation.

http://www.orcalab.org

www.explore.org, Suchwort: "orcalab"

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