Medienkommunikatoren

Mit Medienkompetenz den Regenwald schützen

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In den vergangenen zehn Jahren haben Goldgräber mehr als 2.000 Tonnen Quecksilber in den Amazonas geleitet, Waldrodungen für Sojamonokulturen und den Straßenbau sind an der Tagesordnung. Ölförderprojekte bedrohen inzwischen sogar ausgewiesene Naturschutzgebiete. Durch Mega-Staudammprojekte wie das in Belo Horizonte müssen zehntausende Menschen ihre Heimatdörfer verlassen.

Besonders betroffen von den Umweltzerstörungen sind die zahlreichen indigenen Völker, die im und vom Amazonas-Regenwald leben. Doch sie beginnen sich zu wehren. Informations- und Medienkompetenz spielt dabei eine große Rolle. Denn wie Franco Viteri aus dem ecuadorianischen Sarayaku weiß: „Ein schlecht informiertes Volk ist ein schwaches Volk.“ Er muss es wissen, denn seine Kichwa-Gemeinde mit rund 1.200  Einwohnern wehrt sich seit vielen Jahren erfolgreich gegen die Erdölförderpläne der Regierung. Für ihren Kampf nutzen sie das Internet und eine eigene Webseite.

Den Menschen im Regenwald eine Stimme geben

Von Sarayaku und anderen Beispielen wollen die zwölf Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer, die sich im Mai 2015 auf den Weg machten, lernen. Sie haben die sechswöchige Reise durch das Quellgebiet des Amazonas angetreten, um mehr über ihre eigene und andere indigene Kulturen zu erfahren und darüber, wie sie sich wehren können, wenn ihr Lebensraum in Gefahr ist. Sarayaku ist ihre erste Station.

Insgesamt legen die Medienaktivisten über 1.000 Kilometer zurück. Meistens reisen sie zu den oft unzugänglichen Orten mit dem Boot, manchmal auch mit einem gemieteten Bus. Die Exkursion beginnt in Ecuador, führt dann auf einem der beiden Quellflüsse des Amazonas, dem Marañón, durch Peru und endet im brasilianischen Tefé, der letzten großen Stadt 700 Kilometer vor Manaos. Mit im Gepäck sind Videokameras,  Fotoapparate und Aufnahmegeräte. Sie stammen von dem Medienpädagogen, Entwicklungshelfer und Dokumentarfilmer Siegmund Thies und zwei seiner Kollegen. Sie haben das Projekt, das auch von Brot für die Welt unterstützt wird, zusammen mit lokalen Organisationen aus Ecuador, Peru und Brasilien initiiert und betreut.

„Zusammen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern haben wir unsere Reise mit Wort- und Filmbeiträgen und Fotos dokumentiert“, erklärt Siegmund Thies. „Wir haben ihnen gezeigt, wie sie mit den  Aufnahmegeräten und Kameras umgehen müssen.“ Entstanden ist daraus bereits ein Radiobeitrag über die schwierige Situation der Cocoma-Indigenas im Nauta, die unter Überschwemmungen zu leiden haben, weil der Rio Marañón für die Schifffahrt ausgebaggert und begradigt wurde. Aufgewühlte Ölablagerungen von Pipelinebrüchen der letzten 40 Jahre vergiften ihnen die Fischbestände. In weiteren Medientrainings- workshops ging es beispielsweise um die Chancen und Risiken bei der Nutzung des Internets. „Auf lange Sicht möchten wir ein länderübergreifendes Kommunikationsnetzwerk mit einem Medien- und Kulturzentrum mit Community Radios und Internetnutzungsmöglichkeiten etablieren“, sagt der Dokumentarfilmer. „Dort sollen dann die zukünftigen Comunicadores Amazonicos ausgebildet und geschult werden: Medienspezialisten und Künstler, die ihre Kompetenzen in und für ihre Gemeinden einsetzen können.“

Rückbesinnung auf die eigene Kultur

Doch nicht nur technische Fertigkeiten werden auf dieser Reise erlernt: Auf dem Programm steht neben dem Besuch traditioneller Feste und Kulturveranstaltungen auch das Kennenlernen lokaler Produktionsstätten wie einer kleinen Bio-Kakaoplantage und einer Keramikwerkstatt im peruanischen Mamayaque. Thies ist überzeugt: Nur wenn die jungen Indigenas ihre eigene Kultur wieder mehr schätzen lernen und sie ihre Rechte und Handlungsoptionen kennen, haben sie eine Chance gegen multinationale Ölkonzerne, gegen Goldschürfer und gegen die Holz- und Agrarmafia.

Die Umweltstiftung hat das Projekt mit 5.000 Euro gefördert.

pororoca.red