Sylter Aussenriff

Mit Schutzgebieten die Plünderung der Meere stoppen

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Ozeane bedecken 70 Prozent unserer Erde. Von der Wasseroberfläche bis in zehntausend Meter Tiefe, von der Küste bis zur Hohen See findet sich eine unglaubliche Vielfalt an Lebensräumen und Meeresorganismen. Einen Großteil kennen wir noch nicht einmal: Forscher vermuten, dass es in der Tiefsee noch mehrere Millionen Arten zu entdecken gibt. Doch bevor dies geschieht, haben die Menschen dieses Paradies vielleicht schon zerstört: Hochtechnisierte Industriefangflotten durchkämmen unsere Weltmeere auf der Suche nach den letzten Fischgründen, Öl-Konzerne gefährden es – wie bei der dramatischen Ölpest im Golf von Mexiko – durch riskante Bohrungen. 

Aufgrund des höheren CO2-Ausstoßes in die Atmosphäre nehmen die Weltmeere mehr Kohlendioxid auf und wandeln dieses in Kohlensäure um. Die Folge: Die Ozeane werden immer saurer. Die Versauerung wird schlimme Auswirkungen haben, zum Beispiel werden dadurch Korallen zerstört. Tier- und Pflanzenarten sowie einzigartige Lebensräume drohen unwiederbringlich zu verschwinden. Wissenschaftler sind sich einig: Nur wenn große Bereiche der Ozeane konsequent unter Schutz gestellt werden, kann das vielfältige maritime Leben gerettet werden.

Steine schützen Sylter Außenriff

Im Einsatz für Meeres-Schutzgebiete hat Greenpeace im Sommer 2008 hunderte Natursteine im Sylter Außenriff versenkt. Die tonnenschweren Felsbrocken wirken wie ein Schutzschild für das Riff. Sie verhindern, dass Fischer dort ihre zerstörerischen Schleppnetze auswerfen können und dass Sand und Kies abgebaut wird.

Das Sylter Außenriff ist eines der seltenen Steinriffe in der Nordsee. Es umfasst ein 5300 Quadratkilometer großes Gebiet vor Sylt und Amrum, das zahlreichen Fischarten, bedrohten Seevögeln und Meeressäugetieren wie dem seltenen Schweinswal einen Lebensraum bietet. Bereits 2004 hat Deutschland es als schutzwürdiges Gebiet bei der Europäischen Union nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie angemeldet. Die offizielle Anerkennung erfolgte schließlich im November 2007. Trotzdem wurde bislang nichts für den Schutz der Riffzone unternommen. 

Allein die Greenpeace-Steine haben dem Riff eine Atempause verschafft. Als Greenpeace-Taucher ein Jahr nach dem Versenken der Schutzsteine Proben nahmen, stellte ein unabhängiges Gutachterbüro vielfältiges Leben fest: Seenelken und Moostierchen hatten sich angesiedelt, Butterfisch und Zwergbutt erhielten so wieder Nahrung, und Tintenfische hatten ihren Laich abgelegt. Die Taucher konnten sogar Schweinswale beobachten, die zur Paarung und Geburt in das Schutzgebiet kommen.

Die Umweltstiftung Greenpeace unterstützte die Versenkung der Felsbrocken am Sylter Außenriff im Jahr 2008 mit einer Spende von 10.000 Euro. Und auch künftig will sie den Einsatz für echte Schutzgebiete fördern: Aus der Hartmut-Spaether-Umweltstiftung – der ersten Treuhandstiftung der Umweltstiftung Greenpeace – fließen 2010 weitere 20.000 Euro an die Greenpeace-Meereskampagne.

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