Gemüsestand auf Wochenmarkt

Pestizide auf dem Prüfstand: Am Beispiel ‚Glyphosat‘

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Der Einsatz von Pestiziden in der konventionellen Landwirtschaft stellt eine fortdauernde Belastung für die Umwelt dar. Chemische Pflanzenschutzmittel gefährden die Biodiversität und können bei Menschen und Tieren gesundheitliche Schäden auslösen. Eines der weltweit am häufigsten ausgebrachten Pflanzenschutzmittel ist das Herbizid Glyphosat. Der Wirkstoff wurde 1970 vom US-Agrarkonzern Monsanto entwickelt und unter dem Namen „Roundup“ vermarktet. Allein in der Europäschen Union sind aktuell über 80 Glyphosat-Pestizide zugelassen, davon 45 für den Laienbedarf im Haus- und Kleingartenbau. Baumärkte und Gartencenter bieten sie ganz selbstverständlich an. Glyphosat ist ein „Rundum-Mittel“, das nicht nur auf jedem dritten deutschen Acker zum Einsatz kommt, sondern überall dort, wo lästiges Unkraut vernichtet werden soll.

Galt Glyphosat gegenüber anderen Pestiziden lange als vergleichsweise harmloser Wirkstoff, mehren sich wissenschaftliche Studien, die starke Bedenken gegen das Herbizid vorbringen. So wird Glyphosat mit einer Vielzahl von konkreten Gefahren für die Gesundheit von Menschen und Tieren in Verbindung gebracht. Gleichzeitig schaffen Pestizide wie Glyphosat keine dauerhaften Lösungen für die Kontrolle von Unkraut sondern nur neue Probleme, beispielsweise durch Resistenzbildungen. Mit der derzeitigen Überprüfung des Wirkstoffs tut sich jetzt eine Chance auf, die gesamten Mängel der chemisierten Landwirtschaft am Beispiel von Glyphosat abzubilden. Das von der Umweltstiftung Greenpeace unterstützte Projekt ‚Glyphosat‘ von PAN Germany stellt darüber hinaus auch die derzeitige EU-Pestizidgesetzgebung zur Debatte.

Die Alternative: Eine naturnahe Landwirtschaft ohne Gift

Ende November 2013 reagierte der deutsche Bundesrat auf kritische Forschungsergebnisse im Zusammenhang mit Glyphosat und sprach sich für ein Anwendungsverbot des Herbizids im Haus- und Kleingartenbereich sowie kurz vor der Ernte aus. Vorab hatten Studien für politische Diskussionen gesorgt. Sie wiesen unter anderem Geburtendefekte gehäuft in Gebieten nach, wo Glyphosat massiv zum Einsatz gekommen war. Auch die Tierforschung hatte Missbildungen von Embryonen aufgrund von Glyphosateinwirkung beobachtet. Zudem deuteten Rückstände des Herbizids in zahlreichen Urinproben von Städtern darauf hin, dass der Wirkstoff auch über Lebensmittel in den Organismus dringt.

Für kritische Pestizide hat der Gesetzgeber das ‚Substitutionsprinzip‘ entwickelt – demnach sollen kritische Pestizide vermieden oder gegen bessere Alternativen ausgetauscht werden. Nach Einschätzung des Pestizid Aktions-Netzwerks tut sich genau hier die entscheidende Lücke auf: Wenn Glyphosat schon zu den „harmloseren“ Pflanzenschutzmitteln zählt und seine Zulassung trotzdem für die Anwendung durch Laien im Haus- und Gartenbereich verliert, welche konventionellen Alternativen stehen dann noch zur Verfügung? Und: Darf Glyohosat dann überhaupt in Ländern zum Einsatz kommen, wo Pestizide häufig von Arbeitern ausgebracht werden, die nicht lesen können? Die Diskussion um Glyphosat bringt das Konzept der chemischen Unkrautbekämpfung in Bedrängnis. Die Alternative muss heißen: Zurück zu einer naturnahen Landwirtschaft ohne Gift.

Gemeinsam Lösungen auf den Weg bringen

Die derzeitige Neubewertung von Glyphosat birgt die Chance einer gemeinsamen, starken Positionierung gegen den umstrittenen Wirkstoff durch die großen, einflussreichen Natur- und Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace, BUND, NABU. Um eine gemeinsame Argumentation zu erarbeiten wird PAN Germany dazu 2014 zwei Workshops anbieten. Parallel sollen mit dem Projekt drei Beispiele für Glyphosat-Belastungen bei Mensch, Tier und Umwelt dokumentiert werden.

www.pan-germany.org