Schutz für die Bienen: Wissenschaftler untersuchen Gefährdung durch Pestizide

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Bienen, Schmetterlinge und Hummeln sterben massenhaft. Die Folgen für die Nahrungsmittelproduktion und Ökosysteme können verheerend sein. Als Mitverursacher rücken sogenannte systemische Pestizide mehr und mehr in den Fokus. Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler bündelt die Erkenntnisse zu
diesen Giften und zeigt Alternativen auf. Die Umweltstiftung Greenpeace unterstützt ihre Studien.

Unverzichtbar für Ökosysteme und Landwirtschaft

Ihr Fleiß ist sprichwörtlich: Unermüdlich fliegt die Arbeitsbiene von einer Blütenpflanze zur nächsten – und befruchtet diese dabei ganz nebenbei. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle schätzt ihre Wirtschaftsleistung weltweit auf 153 Milliarden Euro pro Jahr. Laut Welternährungsorganisation FAO hängt über ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion von bestäubenden Insekten wie Bienen oder Hummeln ab. Hinzu kommt der Honig und der Nutzen der Biene für das Ökosystem: Sie bestäubt auch Wildpflanzen und dient Vögeln als Nahrung.

Seit einigen Jahren ist jedoch zu beobachten, wie immer mehr Honigbienen in Massen verenden. Auch Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge sind betroffen, einzelne Arten sogar vom Aussterben bedroht. Es wird immer deutlicher, dass nicht nur die Varroamilbe, verschiedene Infektionskrankheiten und eine intensive Landwirtschaft den sensiblen Pollensammlerinnen zu schaffen machen. Immer mehr Forscher machen insbesondere den verstärkten Einsatz von Spritzmitteln für die Schwächung der Völker verantwortlich. Im Verdacht stehen vor allem Pestizide aus der Gruppe der Neonicotinoide. Der Chemiekonzern Bayer hat in den 1990er-Jahren erstmals ein Nervengift dieser Art entwickelt, um der Ausbreitung von Schädlingen Herr zu werden. Die Neonicotinoide sind sogenannte systemische Gifte, mit denen das Saatgut direkt behandelt werden kann. Dadurch befinden sie sich in der gesamten Pflanze und wirken über einen langen Zeitraum als Kontakt- oder Fraßgifte. 2008 waren 80 Prozent aller weltweit verwendeten Saatbeizmittel Neonicotinoide, beim Insektizidmarkt machten diese Wirkstoffe zu diesem Zeitpunkt rund ein Viertel aus. Auch wenn es keine aktuellen Zahlen gibt, schätzen Experten, dass die Hersteller von systemischen Pestiziden, die in mehr als 120 Ländern zugelassen sind, jährlich mehrere Milliarden Euro mit den Giften verdienen.

Wie die Gifte die sensiblen Pollensammlerinnen schädigen

Dabei weisen inzwischen eine Vielzahl von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darauf hin, wie gefährlich die Neonicotinoide für Bienen und andere Nutzinsekten sind. Mehrere Studien belegen, dass Bienen ihre Fähigkeit sich zu orientieren und miteinander zu kommunizieren verlieren, wenn sie mit dem Gift in Kontakt geraten. Sie brauchen länger für ihre Rückkehr in den Bienenstock, oft sterben sie bei dem Versuch. Diese Wirkung haben Neurobiologen der Freien Universität Berlin 2014 auch bei Hummeln und Wildbienen festgestellt.

Ende 2015 beobachteten französische Forscher, dass Neonicotinoide unter realen Feldbedingungen eine erhöhte Sterblichkeit der Arbeitsbienen bewirken. Eine groß angelegte britische Langzeituntersuchung zeigte im August 2016, wie Wildbienenpopulationen durch den Einsatz der Pestizide massive Verluste erleiden. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Erste Erfolge im Kampf gegen die gefährlichen Ackergifte

2009 haben sich Wissenschaftler aus Frankreich, England, der Schweiz und den Niederlanden zu einer „Task Force on Systemic Pesticides“ zusammengeschlossen. Dieser wissenschaftliche Krisenstab unter der Schirmherrschaft der International Union for Conservation of Nature (IUCN) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Risiken der Neonicotinoide systematisch zu untersuchen. Dazu wurden zunächst 1.121 relevante Studien zu dem Thema in einer Metaanalyse gesammelt und bewertet. Nach der Veröffentlichung des über 300-seitigen Ergebnisberichts wurde 2014 eine weltweite Informationskampagne über die Gifte durchgeführt.

Schon jetzt gibt es erste Erfolge: 2013 hat die EU den Einsatz von drei der gefährlichen Pestizide beim Anbau von Mais, Sommergetreide, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle zunächst verboten. Im August 2015 bestätigte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), dass Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid ein Risiko für Bienen darstellen. Nach den abschließenden Bewertungen muss die EUKommission entscheiden, ob das Verbot ein dauerhaftes sein soll.

In Deutschland unterstützt die Gesellschaft für Schmetterlingsschutz (GfS) als eine Unterorganisation der Task Force das Projekt, für das die Umweltstiftung Greenpeace 20.000 Euro zur Verfügung gestellt hat.

Die Task Force wird die Metastudie um neue Erkenntnisse ergänzen. Ihre Arbeit unterstützt die Umweltstiftung seit 2012 mit jährlich 10.000 Euro.

Greenpeace Deutschland: Pestizide bedrohen Artenvielfalt

Task Force on Systemic Pesticides

www.greenpeace.de/kampagnen/bienen