Zähes Ringen um dauerhaften Schutz der kanadischen Urwälder

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Der boreale Wald in Kanada, auch Taiga genannt, ist eines der größten und bedeutendsten Ökosysteme der Erde: Die ausgedehnten Nadelwälder bieten unzähligen Tieren wie Karibus, Wölfen und Vielfraßen einen Lebensraum und speichern die gigantische Menge von 208 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Dennoch beuten Forstunternehmen das nur scheinbar unend liche Naturparadies rücksichtslos aus. Urwaldbäume werden Tag für Tag zu Papier und Sägeholz verarbeitet.

In den letzten Jahren keimte Hoffnung auf: Nach einer sechsjährigen Greenpeace-Kampagne in Kanada und Europa zwang der Druck der Öffentlichkeit die größten Forstunternehmen 2010 an den Verhandlungstisch. Sie versprachen, 30 Millionen Hektar besonders gefährdete Waldgebiete vorerst unangetastet zu lassen. Im Gegenzug setzte Greenpeace seine Proteste gegen die Forstindustrie vorübergehend aus. Endlich saßen Wissenschaftler, Vertreter der Holzindustrie und Umweltschützer an einem Tisch, um über das größte Waldschutzabkommen der Welt zu verhandeln – eine riesige Chance. Zwei Jahre lang rangen die Parteien um eine tragfähige Lösung – doch dann stieg Greenpeace unter Protest aus den Gesprächen aus. Vor allem das größte kanadische Holzunternehmen stellte sich quer. Ein tragfähiges Abkommen war so nicht zu erreichen.

Auch nach Rückschlägen bleibt Greenpeace am Ball

Doch auch nach diesem herben Rückschlag setzt sich Greenpeace weiterhin mit aller Kraft für den Schutz der kanadischen Urwälder ein. „Wir sehen das Scheitern der Verhandlungen als Chance, verstärkt mit jenen Firmen zu kooperieren, die an echten Lösungen interessiert sind“, sagt Oliver Salge, Leiter des Waldbereichs bei Greenpeace Deutschland. Außerdem gehe es darum, die Kunden zu überzeugen, kein Papier von kanadischen Urwaldzerstörern zu beziehen. Auch in Deutschland ist man dazu in Gesprächen mit Zeitungsverlagen. Parallel wird der Druck auf die Politik erhöht, sich für den Schutz der Wälder einzusetzen. Zurzeit sind nur etwa acht Prozent der kanadischen Waldgebiete durch Gesetze vor dem Einschlag sicher. Nur mit einem langfristigen Schutzprogramm und einem umfassenden Netzwerk aus Schutzgebieten kann der einzigartige Naturraum für zukünftige Generationen bewahrt werden.

Vorbild: Küsten-Regenwald des Großen Bären

Dass es sich lohnt, einen langen Atem zu haben, zeigt das Beispiel des „Great-Bear-Rainforest“ an der Westküste Kanadas. Bereits Anfang 2001 hatte Greenpeace für den größten gemäßigten Küsten-Regenwald der Welt auf einer Fläche von 1,2 Millionen Hektar einen vorläufigen Einschlagstopp erreicht. Während die Motorsägen schwiegen, begannen mehrjährige wissenschaftlich begleitete Verhandlungen zwischen Greenpeace und der Holz- und Papierindustrie, die 2006 in einem Schutzvorschlag für den Regenwald des Großen Bären mündeten. Im März 2009 endete die Umsetzungsphase. Das Ergebnis: 2,1 Millionen Hektar Wald – eine Fläche fast halb so groß wie die Schweiz – wurde dauerhaft unter Schutz gestellt, weitere 700.000 Hektar sind für Bergbau und Forstwirtschaft gesperrt.

Um sich wirksam für den Schutz des borealen kanadischen Urwalds einsetzen zu können, braucht das Team der Waldexperten von Greenpeace Kanada Verstärkung. Deshalb finanziert die Umweltstiftung Greenpeace eine Projektstelle. Die Mitarbeiterin koordiniert die Firmengespräche und Verhandlungen. Außerdem pflegt sie den Kontakt zu den indigenen Gemeinschaften, die vom Raubbau an der Natur besonders betroffen sind.

www.canadianborealforestagreement.com (engl.)