< PreviousGerechtigkeit für die Marshallinseln Jahrzehnte nach den Atom waffen tests der USA kämpft ein Inselstaat im Pazifik noch immer um Wiedergutmachung. Eine internationale Greenpeace-Kampagne bringt wissenschaftliche Erkenntnisse und die Stimmen der Menschen vor Ort zusammen – für Gerechtig keit und Veränderung. Im Runit Dome auf dem Enewetak-Atoll (hier mit der „Rainbow Warrior III“) lagert der radioaktive Müll der US-Atomwaffentests. Seit 2013 zeigt die Betondecke Risse. sowie die anschließenden Labor auswertungen. Die erhobenen Daten dienen als wissenschaftlich belastbare Grundlage für poli tische und klimarechtliche Ver handlungen, etwa im Rahmen der UNGeneralversammlung oder des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen. Stimmen, die gehört werden müssen Die „Rainbow Warrior III“ ist vor Ort im Einsatz. Die Crew unterstützt die weit über die Inselgruppen verstreut lebenden Bewohner:in nen dabei, sich zu vernetzen und gemeinsam ihre Schicksale medial und politisch sichtbar zu machen. Greenpeace nutzt seine inter nationale Reichweite, um diese Geschichten mit aktuellen Debat ten um Klimagerechtigkeit zu ver binden: Die Marshallinseln sind akut vom steigenden Meeres spiegel bedroht. Gleichzeitig zeigt diese Kampagne, wie Umwelt und Menschenrechtsschutz Hand in Hand gehen können. Sie setzt ein Zeichen für globale Solidarität, für wissenschaftlich fundierte Aufklä rung – und dafür, dass auch mar ginalisierte Stimmen auf der Welt bühne gehört werden müssen. umweltstiftung-greenpeace.de/ marshallinseln Die Republik Marshallinseln zwi schen Hawaii und Australien wirkt wie ein SüdseeParadies. Doch der Schein trügt: Zwischen 1946 und 1958 benutzten die USA das Enewetak und das BikiniAtoll für insgesamt 67 Atomwaffentests. Die Gesamtsprengkraft der getesteten Bomben betrug 108,5 Megatonnen. Das ist, als würde 20 Jahre lang jeden Tag eine HiroshimaBombe explodieren. Die Bewohner:innen der ringförmigen Koralleninseln wurden kurzerhand zwangsumge siedelt oder – bewusst wie unbe wusst – Explosionen und Strahlung ausgesetzt. Noch immer sind viele dieser Gebiete unbewohnbar. Die gesund heitlichen, ökologischen und sozia len Folgen belasten die Menschen auf den Marshallinseln bis heute. Sie reichen von Krebserkrankungen über fehlgebildete Neugeborene bis hin zum Verlust kultureller Iden tität. Trotzdem wurden große Teile der Bevölkerung nie offiziell als geschädigt anerkannt. Eine umfas sende wissenschaftliche Aufarbei tung der Strahlenfolgen fehlt bisher. Gemeinsam mit den Menschen vor Ort Hier setzt die von uns geförderte Kampagne „Justice for Marshall Islands“ an. Ein interdisziplinäres Team aus GreenpeaceNuklear expert:innen und unabhängigen Forschenden führt umfassende Untersuchungen zur radioakti ven Belastung in den betroffenen Gebieten durch. Die Analysen, vor allem von Boden, Wasser und Nahrungsmitteln, erfolgen in enger Abstimmung mit der Regierung und den Gemeinden vor Ort. Unsere Förderung ermöglicht umfangreiche Strahlenmessungen Marshallinseln Mehr zur Kampagne Bildergalerie öffnen 10 Manuel Marinelli auf seinem Segelboot Herzliche Einladung zum nächsten digitalen StiftungsCafé Möchten Sie Einladungen zum StiftungsCafé und weitere Informationen künftig digital erhalten? Senden Sie uns einfach Ihr Einverständnis an info@umweltstiftung-greenpeace.de . Eine EMail mit Betreff „Einwilligung Stiftungsnews“ genügt. Wenn Sie unseren Jahresrundbrief künftig lieber in der digitalen Ausgabe – mit Videos, mehr Bildern und tiefergehenden Einblicken in unsere Projekte – bekommen möchten, fügen Sie einfach einen kurzen Hinweis in Ihrer Nachricht hinzu. Werfen Sie hier einen Blick in den digitalen Rundbrief: umweltstiftung-greenpeace.de/ jahresrundbrief-2025 Bleiben Sie digital auf dem Laufenden Wann: 25. März 2026, um 18 Uhr Thema: Wird in Kürze bekannt gegeben Dabei sein: Anmeldung und mehr Infos über den QR-Code oder unter: umweltstiftung- greenpeace.de/stiftungscafe Unser OnlineStiftungsCafé geht in die dritte Runde: In diesem neuen Format erhalten Sie exklusive Einblicke in die Stiftungsarbeit – und das ganz bequem von zu Hause aus. Bei Vorträgen mit der anschließenden Möglichkeit für Fragen und Austausch lernen Sie unsere Projektpartner:innen kennen. Seien Sie dabei, wenn wir unser virtuelles StiftungsCafé wieder öffnen! Wir freuen uns schon jetzt auf Ihre Anmeldung – über das Thema informieren wir Sie dann zeitnah. StiftungsCafé auf Tauchgang Seegraswiesen Nach dem gelungenen ersten StiftungsCafé zum Thema „5 Jahre Zukunftswald Unterschönau“ tauch ten wir am 1. Oktober gemeinsam ins Mittelmeer ein: Manuel Marinelli erzählte uns vom leidenschaftlichen Einsatz seines Vereins Project Manaia zur Rettung der bedrohten Seegraswiesen, die vor allem unter Grundschleppnetzen, zu viel Dünger im Meer und Hitzewellen leiden. „Sie sind wichtige CO₂Speicher und ein essenzieller Grundpfeiler der Artenvielfalt im Mittelmeer!“, so Manuel. Der Meeresbiologe schaltete sich aus der Kajüte seines Segelboots zu. Durch ein Bullauge zu sehen: der Hafen von Licata auf Sizilien. Gerade waren Manuel und seine Crew von ihrer halb jährigen Expedition zurückgekehrt. Seit 2022 segeln sie mit Gastforschenden und Freiwilligen von Bucht zu Bucht, um die Bestände des Neptungrases Posi- donia Oceanica zu vermessen und kahle Stellen wie derzubegrünen. „Wir sammeln angespülte Samen und setzen sie an geeigneten Orten ein. Bei der natürli chen Vermehrung finden nur etwa zwei bis drei Pro zent ihr Ziel. Da sind wir erfolgreicher: So ergab kürz lich die Kontrolle eines Areals vor Elba, dass dort 44 von 50 geretteten Samen angewachsen sind und die Pflanzen noch leben“, erzählte Manuel hoffnungsvoll. Auch von Ankern ausgerissenen Exemplaren gibt die Crew eine zweite Chance. Hilfe beim Meeresgärtnern bekommt sie von verbündeten Tauchbasen. Allein vor Stoupa, Peloponnes, haben Taucher:innen dieses Jahr 400 Samen und 170 Pflanzen ausgebracht. Toi toi toi, dass alle überleben! projectmanaia.at Bildergalerie öffnen Umweltstiftung Greenpeace Jahresrundbrief 2025 11Die Stiftungszahlen 2024 Unsere Stiftung blickt auf ein wirtschaftlich erfolgrei ches Jahr zurück: Sowohl bei den Spenden als auch bei den Zustiftungen konnten wir 2024 einen deut lichen Zuwachs verzeichnen. Auch dank großzügiger Erbschaften stieg das Stiftungskapital im vergangenen Jahr auf 37,9 Millionen Euro an. Durch Rückzahlungen fiel die Gesamtsumme der Stifterdarlehen zum Jahresende etwas niedriger aus als im Vorjahr. Gleichzeitig wurde eine beachtliche Summe an Darlehen in Zustiftungen umgewandelt. Dieses Geld bleibt nun im Stiftungskapital erhalten und kommt dort dauerhaft unseren Projekten zugute. Mit einem Volumen von 21,1 Millionen Euro tragen die Darlehen weiterhin rund ein Drittel zu den Erträgen unserer grünen Vermögensanlage bei. Bleibt stets unangetastet! Ausgaben §Projekte und Öffentlichkeitsarbeit 69 % §Ausgaben für Stiftungsmanagement 31 % 2.070.000 Euro 1.378 Stifter:innen, davon 78 neue in 2024 Neue Darlehen 730.000 Euro Darlehen insgesamt 21.149.000 Euro Einnahmen zur zeitnahen Verwendung §Spenden 34 % § Zinsen/Erträge aus Stiftungskapital und Darlehen 52 % (inklusive vorsorglicher Abwertungen) §Entnahmen aus Rücklagen für Projekte 14 % 2.242.000 Euro Wir verfolgen auch in einem anspruchsvollen Markt umfeld konsequent unser Ziel, Kapital ver ant wortungsvoll und nachhaltig zu investieren. Im Bereich der erneuerbaren Energien führten Marktschwankun gen zu vorsorglichen Wertberichtigungen einzelner Anlagen. Dank eines insgesamt soliden Portfolios und rentabler Verkäufe wurden die Erträge dennoch gesteigert. Besonders freut uns, dass wir in diesem Jahr das Fördervolumen für unsere Projektarbeit erhöhen konn ten. Insgesamt sind über 1,4 Millionen Euro in die Ver wirklichung unseres Satzungszwecks geflossen. umweltstiftung-greenpeace.de/stiftung/bilanz 37.893.000 Euro Stiftungskapital Einnahmen Stiftungskapital §Zustiftungen 83 % §Erbschaften 17 % 2.494.000 Euro 12 Die Erträge aus der Kapitalanlage machen unsere Arbeit erst möglich. Dank Zinsen, Dividenden und Mieten können wir viel bewegen. So initiieren und fördern wir Projekte für Umweltschutz und Frieden und verwirk lichen damit unmittelbar unseren Stiftungszweck. Was oft im Hintergrund bleibt: Auch unser Anlagekapital wirkt in diesem Sinne – und das sogar in wachsendem Umfang. Es trägt aktiv zum Wandel bei und arbeitet für genau die Ziele, für die wir als Stiftung stehen. Ganzheitliche Wirkung seit 1999 Als eine der ersten deutschen Stiftungen haben wir bereits mit der Gründung der Umweltstiftung ökologi sche, soziale und ethische Anlagekriterien fest in unse rer Satzung verankert. Auch heute berücksich tigen wir diese Prinzipien bei all unseren Investitionen – etwa in erneuerbare Energien, ökologischen Landbau, Kreis laufwirtschaft oder Projekte zur Versorgung mit saube rem Trinkwasser. Rendite mit Mehrwert Unser Kapital wird breit gestreut und risikobewusst angelegt. Dabei streben wir neben einer stabilen finanziellen Rendite immer auch eine gemeinwohl orientierte Wirkung an. So haben wir etwa mit dem Zukunftswald Unterschönau ein Generationenprojekt ins Leben gerufen, das Mensch und Natur zugute kommt und sich zugleich wirtschaftlich nachhaltig entwickelt. Auch Immobilien gehören zu unserem Ver mögen: In diesem Jahr haben wir durch eine großzü gige Schenkung ein Mietshaus in Berlin mit 33 Wohn einheiten übernommen, bei dem wir besonders auf dauerhaft bezahlbare Mieten achten werden. Als Pionierin der nachhaltigen Geldanlage setzen wir Impulse am Kapitalmarkt und zeigen, wie Stiftungen auch mit der Anlage ihres Vermögens Verantwortung übernehmen können. Indem wir andere inspirieren, unserem Beispiel zu folgen, wird mehr Geld sinnvoll und nachhaltig investiert und kann zu positiven Ver änderungen in unserer Gesellschaft beitragen. umweltstiftung-greenpeace.de/grüne-geldanlage So wirkt unser Kapital für eine nachhaltige Zukunft Unser Stiftungsvermögen ist in den vergangenen 25 Jahren deutlich gewachsen. Da wir das Kapital nicht antasten, sondern gewinnbringend anlegen, sichert es langfristig die Finanzierung unserer Projekte. Tipp für Ihre private Geldanlage: Möchten Sie auch bei Ihren privaten Investitionen auf Nachhaltigkeit setzen? Orientierung bietet der Greenpeace- Ratgeber „Klimafreundlich investieren“: Ratgeber herunterladen Umweltstiftung Greenpeace Jahresrundbrief 2025 13Meldungen und Tipps Uranabbau in Niger Für eine von der Umwelt stiftung geförderte Studie haben das französische Labor CRIIRAD und die lokale NGO AGHIRIN’MAN gemeinsam rund um die Uranmine in Arlit erneut Proben genommen. Die Werte sind alarmierend: Obwohl die Mine im Norden Nigers 2021 endlich stillgelegt wurde, ist das Grundwasser auch weit über die Region hinaus noch immer radioaktiv belastet. Bereits 2009 pran Einladung zu den Schweinswaltagen Sie lieben Wale? Dann merken Sie sich schon jetzt die 10. Wilhelms havener Schweins wal tage vom 24. April bis 3. Mai 2026 vor. Im Frühjahr schwimmen die einzigen heimischen Wale Deutschlands sehr nahe an der Küste, wo man sie mit etwas Glück sogar von Land aus beobachten kann. Unser Projektpartner Whale & Dolphin Conservation (WDC) stellt dort ebenfalls seine Arbeit für den Schutz der Schweinswale und für ein Verbot tödlicher Stellnetze vor. Es erwartet Sie ein viel fältiges Programm. Mehr unter: schweinswaltage.de Gefährdete Nutztierrassen des Jahres 2026 Seit Jahrhunderten arbeiten sie als Partner Seite an Seite: Hütehunde und Schnucken prägen die Kulturlandschaften Norddeutschlands. Die Gesell schaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) hat sie zu den „Gefähr deten Nutztierrassen des Jahres 2026“ gewählt. Anlass ist das Internationale Jahr des Pastoralismus, das weltweit die Bedeutung der Weidewirtschaft für nach haltige Landschaftspflege und Biodiversität betont. Seit 1984 zeichnet die GEH jährlich bedrohte Nutztierrassen aus, um auf ihre schwindenden Bestände und deren kulturelle Bedeutung aufmerksam zu machen. g-e-h.de Santé Solaire In weiten Teilen Westafrikas fehlt es Gesundheitszentren an Strom. Santé Solaire, ein Pro gramm unseres Projekt partners Solafrica, ändert das: Mit unserer Unterstützung wurden in Niger, Togo und Burkina Faso zahlreiche Solaranlagen und kühlschränke installiert. Sie sorgen für Licht und die Kühlung von Medikamenten. Unter der Leitung von Koor dinatorin Adideme Koutangni, die 2025 für ihr Engagement den WWSFPreis für „Women’s Creativity in Rural Life“ er hielt, wurden allein in Togo bereits 16 Gesundheits zentren für über 100.000 Menschen elektrifiziert. Santé Solaire verbessert damit auch die Situation werdender Mütter. Denn nächtliche Geburten sind ohne Strom ein großes Risiko. „Die Hebamme musste während der Geburt die Taschenlampe im Mund oder zwischen Schulter und Hals festhalten. Ich fürchtete jedes Mal um mein Baby“, erzählt Immaculée aus Gapé Wonougba in Togo. Inzwischen sind viele dieser Behandlungs räume hell erleuchtet. solafrica.ch/projekte/sante- solaire gerte Greenpeace die Kon ta minierung an. In einer aktuell veröffentlichten Presse mitteilung fordert CRIIRAD nun von der Betreiberfirma eine umfassende Sanierung, trans parente Über wachung sowie die Aufklärung der Bevölkerung. criirad.org/tag/uranium 14 Die letzten artenreichen Naturwälder Schwedens sind von Holzeinschlag bedroht. Zusammen mit mehreren Waldschutzgruppen setzt sich Greenpeace für ihren Schutz ein. Unterstützung bekommen sie von einer samischen Försterin und Rentierhirtin. sieht anders aus. In einem Report deckten Greenpeace und Renskog dieses Jahr auf, wie Holzkonzerne sami sche Gemeinden unter Druck setzen und ihre Rechte ignorieren. Eine dieser Firmen ist die Svenska Cellulosa AB (SCA): Seit Jahren rodet Schwedens und Europas größ ter privater Waldeigner riesige Flächen zuvor unbe rührter Wälder, so auch im Gebiet der SámiGemeinde Ohredahke. Zuletzt hat der Konzern dort ohne Zustim mung 2.400 Hektar Wald eingeschlagen. Mit Anja als Brückenbauerin zur SámiGemeinde und mit kreativen Aktionen gelang es Greenpeace zusammen mit anderen Waldschützer:innen, Druck auf den Forstriesen auszuüben. Vor kurzem dann ein großer Erfolg: Der Lebensmittelkonzern Nestlé been det seine Zusammenarbeit mit SCA. Anja hatte Firmen vertreter:innen durch zerstörte Waldgebiete geführt und über die dramatischen Folgen für Artenvielfalt und Rentierzucht aufgeklärt. Nun sollen weitere SCAKun den dem Beispiel von Nestlé folgen. Anjas Arbeit bleibt dafür von zentraler Bedeutung. Als Vertreterin der jun gen SámiGeneration will sie noch viel erreichen – für die Wälder, Menschen und Rentiere. forestscandal.org/de Die Rentiere der Sámi finden im Winter nur in alten, artenreichen Wäldern genügend Nahrung. Waldschutz in Schweden Anja Fjellgren Walkeapää lebt in einer von 51 samischen Gemeinden Schwedens. Wie ihre Vorfahren hütet sie die Rentiere ihrer Familie. Die Tiere sind ihr Leben, von klein auf. Seit Jahrhunderten weiden die Herden der Sámi ganzjährig frei in der Landschaft. Dabei sind sie auf natürliche alte Wälder angewiesen. Nur hier wachsen in ausreichender Zahl Moose und Flechten, die sie über die langen verschneiten Winter bringen. Doch Forst firmen dringen immer weiter in die Rentiergebiete vor. Anja will, dass die traditionelle Lebensweise ihres Volks eine Zukunft hat. Deshalb hat die studierte Förste rin ihre Beratungsfirma Renskog (Rentierwald) gegrün det. Ziel ist es, dass Forstbetriebe im Einklang mit den Bedürfnissen und Rechten der Sámi wirtschaften. Starker gemeinsamer Widerstand Zusammen mit mehreren Waldschutzgruppen und den Sámi arbeitet Greenpeace Schweden daran, eine starke Waldschutzbewegung aufzubauen. Seit 2023 finanzie ren wir dafür auch die Arbeit von Anja: Die 32Jährige berät samische Rentierkooperativen und unterstützt sie in Verhandlungen mit Forstbetrieben. Diese sind eigentlich verpflichtet, die Sámi vor Eingriffen in den Wald angemessen zu konsultieren. Doch die Realität Schwedens Walderbe schützen Bildergalerie öffnen Mehr Infos von Greenpeace Schweden Umweltstiftung Greenpeace Jahresrundbrief 2025 15Das Interview European Ranger Federation Maria, ich habe großen Respekt davor, was Ranger:innen alles leisten. Besonders anspruchsvoll erscheint mir die Aufgabe, Menschen vor Ort für den Naturschutz zu sensibilisieren. Wie machst du das? Ich setze mich mit den Ansichten, Gewohnheiten, Hoffnungen und Ängsten der Menschen auseinan der und versuche dann, ihre Köpfe und Herzen anzusprechen. Würdest du sagen, dass Frauen spezifische Kompetenzen in den Naturschutz einbringen? Ja, viele sind zum Beispiel gute Kommunikatorinnen: einfühlsam, aber bestimmt! Und in Umfragen gaben mehr Frauen als Männer an, das Vertrauen ihrer Gemeinden zu genießen. Sie haben einen Draht zu diversen Zielgruppen in der Bevöl kerung, was etwa bei der Durchset zung von Vorschriften hilfreich ist. Rangerinnen leisten einen großen Beitrag zum Brückenschlag zwi schen Menschen und Naturschutz. Trotzdem stellen sie weltweit nur etwa elf Prozent der Belegschaft. Woran liegt das? In vielen Ländern oder Regionen, auch in Europa, sind Frauen im Ran ger beruf schlicht nicht will gestärkt sind und Wege finden, noch mehr Frauen für unsere Sache zu gewinnen. 2026 werden wir in einem Workshop gemeinsam Ideen diskutieren und Arbeitskreise etwa zu Imagearbeit, Training und Recherche bilden. Geplant ist auch ein Austausch mit indigenen Ran gerinnen von anderen Kontinenten. Was braucht es aus deiner Sicht, um Frauen im Rangerberuf zu stärken? Ein Problem sind Belästigung, psy chische und körperliche Gewalt gegen Frauen. Unter anderem zu diesen Themen brauchen Range rinnen spezielle Trainings. Schutz gebietsverwaltungen benötigen neue geschlechter bewusste Richt linien und natürlich mehr Frauen in Führungspositionen, die ihre Team kolleginnen bestmöglich unterstüt zen. Ob Umweltbildung, Öffent lichkeitsarbeit oder klassische Ge biets kontrollen – Rangerinnen soll ten alle Bereiche der vielfälti gen Arbeit offenstehen. Damit sie ihr volles Potenzial für den Natur schutz ent falten können. umweltstiftung-greenpeace.de/ranger „Einfühlsam, aber bestimmt“ Seit 2022 fördern wir die Arbeit der European Ranger Federation (ERF), die Betreuer:innen von Schutz- gebieten europaweit vernetzt, um Wissen, Ideen und Erfahrungen auszutauschen. Wir ermöglichten der ERF unter anderem, ein umfangreiches Trainings programm auf die Beine zu stellen, das Ranger:innen hilft, ihre vielfältigen Aufgaben zu meistern. Ein neues Programm soll gezielt Frauen in diesem Berufsfeld stärken. Koordiniert wird es von Maria Gurscaia aus Moldau. Stiftungsvorständin Sandra Güntner hat in Hamburg mit ihr gesprochen. ERF-Vorstandsmitglied Maria Gurscaia (links) ist Sozial- und Kulturanthropologin. 2023 half sie mit, den moldawischen Rangerverband zu gründen. Ehrenamtlich betreut sie das Tipova Landschafts- reservat im Nordosten der Republik. kommen. Und falls sie doch einen Job finden, weist man ihnen oft nur Büroarbeiten zu. Monitoring und Patrouillen im Schutzgebiet, auch Strafverfolgung und Bekämpfung der Wilderei gelten nach wie vor als Männerdomäne. Dabei zeigen Frauen weltweit, dass sie auch diese Herausforderungen meistern. Mit dem Projekt „Female Rangers“ will die ERF jetzt mehr Frauen an Bord holen, auch in Hinblick auf die globalen Naturschutzziele der UN … Genau! Bis 2030 sollen 30 Pro zent der Land und Meeresflächen geschützt werden, dafür braucht es noch rund 1,5 Millionen neue Ranger:innen! Wichtig ist, dass wir verstärkt am verzerrten Berufs image arbeiten: weg vom auto ritären Naturpolizisten hin zur Naturbotschafterin, die mit lokalen Gemeinden zusammenarbeitet und bei Konflikten vermittelt. Mit die sem Profil können sich auch mehr Frauen identifizieren. Aktuell baut ihr ein Rangerinnen- Netzwerk auf, erzähl doch mal. Wir wollen Rangerinnen aus ganz Europa zusammenbringen und unsere Kräfte bündeln – damit wir besser vernetzt, ausgebildet und Video: Maria zum Reservat Tipova 16 Forschen, ohne zu stören Im Norden von British Columbia, wo dichte Zedernwälder in den Pazifik abfallen, liegt Hanson Island. Hier, inmitten der Natur, steht das OrcaLab, das vor über fünf Jahrzehnten von Dr. Paul Spong gegründet wurde und seither das Leben von Walen erforscht – mit einem wichtigen Werkzeug: Zuhören. Früher Morgen auf Hanson Island. In ihrer Forschungs station warten Paul Spong, Helena Symonds und ihr engagiertes Team auf alte Bekannte. Und plötzlich: ein Chor aus Klicks und Rufen, aufgezeichnet von den Unterwassermikrofonen (Hydrofonen) der Station. Die ersten Northern Resident Orcas sind zurück. Hier im Gebiet der Kwakwaka'wakw First Nations befindet sich ihr Sommerquartier. Seit den 1970erJahren erforschen Paul und Helena zusammen mit Freiwilligen die nördliche OrcaPopula tion. Mit Hydrofonen öffneten sie ein Tor in die Welt der Tiere. Seitdem zeichnen sie auf, was unseren Sinnen ansonsten verborgen bliebe. Die Daten helfen, die ein zigartige Lebensweise der Schwertwale zu entschlüs seln. „Du kannst ein ganzes Leben damit verbringen, sie anzugucken und nichts zu lernen. Aber höre ihnen eine Stunde zu, und du verstehst, dass du es mit einer Kultur zu tun hast“, so Spong. Inzwischen ist viel über die hochkomplexen, mat riarchalischen Tiere bekannt. Ältere Weibchen führen ihre Clans an, geben akustische Dialekte und jahr hundertealte Rituale weiter. Der Unterwasserlärm von Schiffen beeinträchtigt ihr Leben stark. Mit sei nen Daten setzt sich das OrcaLab für ihren Schutz ein: Die besonderen „Reibestrände“ sind heute geschützte OrcaLab Zonen. Es wurden größere Mindestabstände beim Whale Watching erreicht und wichtige Gebiete als kritischer Lebensraum ausgewiesen. Was mit einem selbstgebauten Unterwassermikro fon begann, ist inzwischen ein komplexes Netz aus Hydrofonen, Kameras und Funkverbindungen. Rund um die Uhr ermöglicht es die Erfassung akustischer Daten und sogar die LiveÜbertragung von Stimmen und Bildern der Orcas ins Internet. Unsere Förderung unterstützt den Betrieb der Station seit vielen Jahren. Das Vermächtnis in die Zukunft tragen Mit seiner Philosophie des respektvollen Beobachtens hat das OrcaLab Forscher:innen und Naturschützer:in nen weltweit inspiriert. Viele, die zum Lernen nach Hanson Island kamen, haben später weitreichende Kampagnen und Projekte ins Leben gerufen oder wei tere Forschungsstationen gegründet. Nach und nach übergeben Paul und Helena nun an eine neue Generation. Erfahrene Teammitglieder werden den Schatz an Daten verwahren und die Arbeit fortsetzen. Neue Technologien könnten neue Möglich keiten bieten. Eins wird bleiben: Sie werden den Orcas zuhören und ihnen auch künftig eine Stimme verleihen. orcalab.org Orcas im Familienverband: jede Stimme ein Teil des lebendigen kulturellen Erbes Video: Orcas an „Reibestränden“ von Vancouver Island Umweltstiftung Greenpeace Jahresrundbrief 2025 17Wer durch unseren Stifterhain in Forbach im idylli schen Murgtal des nördlichen Schwarzwalds spaziert, begegnet so manchen vornehmen Persönlichkeiten. Da wären zum Beispiel die Goldrenette von Blenheim, der Winterprinz sowie Jupiter höchstpersönlich. Doch deren wahre Pracht liegt nicht in Titeln oder Ruhm – sie hängt an den Zweigen der Bäume. Auch unter den diesjährigen Neuzugängen unse res Stifterhains – 78 an der Zahl – finden sich Sorten mit klangvollen Namen. So etwa die süße Stuttgarter Geißhirtle aus dem 18. Jahrhundert, die auch Hutzel oder Honigbirne genannt wird. Oder der Dundenhei mer Schätzler, eine beliebte badische Lokalsorte. Und mit dem Speierling zieht eine uralte Kulturpflanze in den Hain ein: Bereits im 4. Jahrhundert vor Christus schätzten die Griechen diesen Wildobstbaum aus der Gattung der Ebereschen. Inzwischen gilt der Speier ling als eine der seltensten Baumarten in Deutschland. Mit viel Engagement zum Artenreichtum Für jede neue Stifterin und jeden neuen Stifter erwei tern wir unser StreuobstwiesenBiotop um einen Baum. Neben Apfel und Birnensorten bereichern auch Kirschen, Zwetschgen, Marillen, Pfirsiche und Nussbäume den bunten Obstgarten. Viele Tierarten wie Fledermäuse, Sieben und Gartenschläfer, Vögel und Insekten finden hier Schutz und Nahrung. Dank der behutsamen Pflege von Revierförster HansJörg Wiederrecht und seinem Verein der Ziegenfreunde Bermersbach e. V. sind Teile des Hains inzwischen auch offiziell als besonders artenreiche und erhaltenswerte Mähwiese ausgezeichnet. Das Geheimnis des alten Baumbestands Bereits vor Beginn unseres Projekts standen auf den Flächen des heutigen Stifterhains etwa 70 bis 80 Alt bäume. Lange gaben sie Rätsel auf. Doch nun hat ein Pomologe, der Obstbäume anhand ihrer Früchte und Blätter bestimmt, erstes Licht ins Dunkel gebracht: Fünf der alten Bäume konnten dieses Jahr bestimmt wer den, weitere sollen 2026 folgen. So hoffen wir, dem Stifterhain nach und nach seine ehrwürdigen Geheim nisse zu entlocken. Die vielen verschiedenen und vor allem alten und robusten Sorten verleihen den Wiesen Widerstands kraft. Zugleich sind sie ein schützenswertes Erbe, das künftigen Generationen als genetische Schatzkammer in einer durch die Klimakrise veränderten Welt die nen kann. Wir danken allen Stifter:innen, die mit ihrer Unterstützung für den Erhalt dieser besonderen Sorten und für immer mehr Vielfalt im Stifterhain sorgen. umweltstiftung-greenpeace.de/projekte/stifterhain Ihr Engagement trägt Früchte: Viele hundert gepflanzte Bäume sorgen in Forbach für ein artenreiches Streu- obstwiesenbiotop. Stifterhain Wo Vielfalt Wurzeln schlägt Seit 23 Jahren wächst und gedeiht unser Stifterhain. Aus Bäumchen sind Bäume geworden, keiner gleicht dem anderen, jede Frucht schmeckt anders. Alte Sorten mit klangvollen Namen, Wiesen voller Leben und ein kleines Rätsel machen den Hain zu einem magischen Ort. Bildergalerie öffnen Wie Zukunft entsteht Neues aus der Stiftung Namens zustiftungen 2025 Vielen Dank an alle Stifter:innen der: Tillmann Eufe-Namenszustiftung WuM4climate-Namenszustiftung Ricarda und Armin Krejsa- Namenszustiftung Dr. Jacqueline Rothfels- Namenszustiftung Jutta und Harry Gellert- Namenszustiftung Prof. Dr. Ulrich John-Namenszustiftung Kevin McCaskill Oceans - Namenszustiftung Mali und Hans-Jürgen Mevißen-Zimmer- Namenszustiftung Eckart Gowen-Namenszustiftung Isolde Lederer-Namenszustiftung Jutta und Peter Gebauer- Namenszustiftung Charlotte Bieler-Namenszustiftung Uwe Impelmann-Namenszustiftung Roland Spindler-Namenszustiftung Monika Hensen-Zipter-Namenszustiftung Ulrike Rieger und Gerd Plagemann- Namenszustiftung Lammi-Namenszustiftung Workshop „Drei Blickwinkel auf Zukunft und Zukünfte“ Neue Gesichter im Team Teresa Lambrecht hat uns bereits während ihres Masterstudiums der Interdisziplinären Public und Non profit Studien unterstützt. Nach erfolgreichem Abschluss ist sie seit Juni 2024 als Stiftungsassistentin in Voll zeit dabei. Sie bringt frischen Schwung in die Beratung unserer Förder:innen, das Fundraising und die Projektkommunikation. Besonders viel Spaß machen ihr dabei die persönlichen Begegnungen mit unseren Unterstützer:innen. Wenn Patrick Kern über Geld spricht, meint er Verantwortung. Seit April 2024 verstärkt er unser Team als Referent für nachhaltige Vermögens anlage und Philanthro pieBeratung. Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Finanzwelt und seinem Engagement in der ImpactInvestingSzene setzt er sich dafür ein, dass Kapitalströme Gutes bewirken – für eine Zukunft, in der auch seine zwei Kinder gut leben können. Ganz im Sinne unseres Leitgedankens „Gemeinsam ein Stück Zukunft gestalten“ haben wir im Oktober einen ImpulsWorkshop initiiert. Gemeinsam mit Kolleg:innen von Greenpeace e. V. und Greenpeace International haben wir erkundet, wie Zukunftsbilder entstehen und wie wir die Zukunft mitgestalten können. Unsere Stiftungsarbeit ist von vorausschauendem Denken und mutigem Handeln geprägt. Diese Prinzi pien leiten unsere Förderkriterien und Entscheidungen. Um aktiv zu einer grünen, friedlichen und gerechten Welt beizutragen, ist es entscheidend, vertraute Denk weisen zu hinterfragen und neue Visionen möglicher Zukünfte zu entwickeln. Umweltstiftung Greenpeace Jahresrundbrief 2025 19Next >