Gegen die ganz Großen

Der Verein Goliathwatch fürchtet sich nicht vor der Macht großer Konzerne. Er setzt sich für ein gerechteres Wirtschaftssystem ein, in dem die Demokratie geachtet und der Raubbau an der Natur gestoppt wird. Die Umweltstiftung Greenpeace unterstützt das Projekt, weil es die politische Arbeit von Greenpeace und der Stiftung perfekt ergänzt.


Foto © Gordon Welters / Goliathwatch e.V.

Niemals würde Thomas Dürmeier einen Stein gegen einen Menschen schleudern – auch nicht gegen einen übel agierenden Konzernchef. Denn der promovierte Volkswirt und Gründer von Goliathwatch e. V. ist Pazifist. Aber sich strategisch schlau und furchtlos mit den ganz Großen anlegen, das macht die kleine Nichtregierungsorganisation (NGO) aus Hamburg seit 2017, genauso wie David gegen Goliath. Der Fokus des gemeinnützigen Vereins: Förderung der Demokratie und eine dem Menschen und der Natur dienende Wirtschaft.

Die Macht großer Konzerne beschränken

Unter dem Motto „Stop #HateSearch“ hat der gemeinnützige Verein in seiner ersten Kampagne Google dazu gebracht, seine Suchfunktion zu überarbeiten. Nun schlägt Google nicht als Erstes „Lüge“ und „Mythos“ oder „Klima-Gretel“ vor, wenn man das Wort „Klimawandel“ eintippt. Drei Protestaktionen in Hamburg, eine große Pressekonferenz in Berlin und ein direktes Treffen mit Google-Verantwortlichen haben am Ende zu diesem Ergebnis geführt.

Im Februar 2022 sperrte Facebook die Fanpage (Infoseite) von Goliathwatch, weil die Organisation angeblich „betrügerische, irreführende oder gesetzeswidrige Informationen“ verbreitet hätte. Goliathwatch hatte sich kritisch zur Marktmacht von Facebook und dem Nachfolge-Konzern Meta geäußert und außerdem in einer Protestaktion vor dem Facebook-Sitz in Hamburg die Spaltung von Facebook gefordert. „Facebook will Kritiker wie uns mundtot machen. Nur weil wir uns für faire digitale Wahlwerbung eingesetzt haben und europaweit schärfere Kartellpolitik wie in den USA einfordern, wurden wir verbannt“, ist Thomas Dürmeier überzeugt. Und auch hier setzte der Verein erfolgreich mit einer Klage vor dem Oberlandesgericht Hamburg zur Wehr: Seit Juli 2022 ist es Facebook gerichtlich untersagt, die Fanpage erneut ohne Begründung und Anhörung zu sperren.

Gemeinsam politische Aufklärungs- und Bildungsarbeit leisten

Neben den politischen Kampagnen spielt Aufklärungs- und Bildungsarbeit bei Goliathwatch eine zentrale Rolle. Mit Dossiers, Vorträgen, Veranstaltungen und auf Rundgängen zum Beispiel in der Hamburger Hafencity weist der Verein auf die Marktmacht großer Unternehmen im globalen Wirtschaftsgefüge hin. „Konzerne zerstören derzeit das Wirtschaftssystem, die Natur und die Gesellschaft“, ist Thomas Dürmeier überzeugt. „Um die Bevölkerung darüber zu informieren und sie zum Handeln zu motivieren, arbeiten wir bereits mit Organisationen wie Inkota, Brot für die Welt oder Greenpeace im Cora-Netzwerk zusammen.“

Gleichzeitig soll sich die Arbeit von Goliathwatch weiter professionalisieren: „Wir wollen ein Netzwerk im Bereich der Demokratie-NGO´s aufbauen und stärken“, so Thomas Dürmeier. Dafür will der Verein, der sich bislang vorwiegend auf das ehrenamtliche Engagement seines dreiköpfigen Vorstands und rund einem Dutzend Freiwilliger stützt, eine bezahlte Projektstelle schaffen. Die Umweltstiftung Greenpeace fördert das Vorhaben vier Jahre lang mit jeweils 7500 Euro pro Jahr.