Forschung am Tiefseeberg Vema

Ein Unterwasserberg – das klingt wie ein Element aus einem fantastischen Film. Aber es gibt tatsächlich echte Berge unter Wasser! Ein ganz besonderer ist der Tiefseeberg Vema im Südostatlantik. Denn er erhebt sich aus 4600 Metern Tiefe bis nur 26 Meter unter die Wasseroberfläche. Deshalb kann er mit menschlichen Tauchern erforscht werden – und genau dies hat die Umweltstiftung Greenpeace Ende 2019 ermöglicht. Denn der Vema ist bedroht durch Pläne, dort Tiefseebergbau zu betreiben. Seine außergewöhnliche Artenvielfalt zu dokumentieren, hilft, ihn zu schützen.

Meereskampaigner Thilo Maack entdeckt auf einem der Gipfel des Mount Vema auf eine seltene Tristan-Languste (Jasus tristani).
Meereskampaigner Thilo Maack entdeckt auf einem der Gipfel des Mount Vema auf eine seltene Tristan-Languste (Jasus tristani). Foto © Richard Barnden / Greenpeace

Die Forschung am Mount Vema war Teil der einjährigen Schiffstour von der Arktis zur Antarktis mit den beiden Greenpeace-Schiffen Arctic Sunrise und Esperanza. Greenpeace baute damit politischen Druck auf für ein starkes Schutzabkommen für die Hohe See, über das die Vereinten Nationen parallel verhandeln. Über die ganze Tour realisierten renommierte Wissenschaftler zusammen mit den Schiffscrews ein aufwändiges , ermöglicht durch die umfangreiche finanzielle Unterstützung der Umweltstiftung.

Schutzgebiete zeigen Wirkung

Der Vema ist, wie viele Tiefseeberge, durch vulkanische Aktivität entstanden und irgendwann im Ozean versunken. Aufgrund seiner steilen Hänge ist er ein ganz besonderes Ökosystem: Nährstoffe aus den Tiefen des Ozeans werden nach oben transportiert und versorgen dort die Meeresbewohner mit nährstoffreicher Nahrung. Dadurch ist der Vema so etwas wie ein Regenwald unter Wasser mit einer außergewöhnlichen Artenvielfalt. Unter anderem gedieh hier lange eine große Population der seltenen Tristan-Langusten. Doch dann wurden die Tiere überfischt und standen kurz vor dem Aussterben. Erst 2007 stoppte ein Verbot der Grundfischerei am Vema die zerstörerische Praxis.

Die Greenpeace-Taucher erlebten eine erfreuliche Überraschung: Zahlreiche Tristan-Langusten tummeln sich heute wieder am Vema! Das Beispiel zeigt, dass Schutzmaßnahmen für die Ozeane eine direkte Wirkung zeigen. Wenn das Meer eine Atempause bekommt, können sich Tiere und Pflanzen erholen! Solche Belege sind enorm wichtig, um die Politiker zu überzeugen, ein wirksames Abkommen für die Hohe See auszuhandeln.

Neue Bedrohung für den Berg Vema

Die Taucher installierten außerdem Unterwassermikrofone am Berg. Sie zeichneten für 3 Wochen alle Geräusche auf. Dadurch und durch die Analyse von Genpartikeln im Wasser soll dokumentiert werden, welche Walarten den Vema als Zwischenstation auf ihrem Weg durch die Weltmeere nutzen. Denn dem Berg drohen neue Gefahren: Die Industrie will am Vema seltene Erden abbauen. Das neue Hochsee-Schutzabkommen ist eine Chance, das zu verhindern!

Besonders schützenswerte Gebiete wie den Berg Vema gibt es in allen Weltmeeren. Greenpeace hat deshalb gemeinsam mit Wissenschaftlern 2019 zu den UN-Verhandlungen den Report „30 mal 30“ vorgelegt: einen detaillierten Plan für ein weltumspannendes Netz von Schutzgebieten, mit dem bis 2030 insgesamt 30 Prozent der Ozeane unter Schutz gestellt werden könnten. Auch dies hat die Umweltstiftung finanziert.